Zukunft ist anders

Wir verfolgen die Berichte aus Japan und kommen nicht umhin, an Apokalypse zu denken: Ein Reiter nach dem anderen sucht das Land heim. Wir sind betroffen angesichts der zerstörten Städte, der Tausenden Vermissten und der Hunderttausenden obdachlosen Menschen, die nach Erdbeben und Tsunami in Notunterkünften ausharren und noch nicht wissen, welches Ausmaß die Katastrophe aufgrund der angeschlagenen Atommeiler noch annehmen wird.

Ebenfalls dramatisch ist die Lage im Land des Öldespoten Gaddafi. Noch vor kurzem hat der Westen ihn hofiert: Aus Sorge um den Zugang zu billigem Öl – und als Vorposten gegen MigrantInnen. Jetzt wütet das von Europa aufgerüstete Heer, und um dieses Wüten zu beenden, wird nun Europa gemeinsam mit den USA eingreifen.

Kriege und Reaktorunfälle sind keine Naturkatastrophen. Vor 33 Jahren haben die ÖsterreicherInnen gegen ein Atomkraftwerk gestimmt. Weil ihnen das Risiko zu hoch schien – trotz aller Beteuerungen, die Technologie sei beherrschbar und sicher, und diese Art der Energiegewinnung für Fortschritt und sichere Versorgung unabdingbar. Der Reaktorunfall von Tschernobyl hat ihre Einschätzung bestätigt, in vielen Ländern Europas wurden danach erste Maßnahmen in Richtung Ausstieg gesetzt. Dann kamen Liberalisierung und Privatisierung der europäischen Energieversorgung, Ölknappheit und Klimawandel halfen den Stromkonzernen, Atomkraft wieder als saubere und sichere Zukunftstechnologie zu platzieren und so weiter satte Gewinne einzufahren.

Atomkraft und Öl sind beides unsichere und abhängig machende Energieträger. Sie sind endlich und mit hohen Risiken verbunden. Neben dem Krisenmanagement in Libyen und Japan müssen wir heute die Weichen für eine andere Zukunft stellen, müssen das umsetzen, was wir schon längst wissen: Energie muss anders organisiert werden – mit weniger Energieverbrauch und dem Umstieg auf dezentrale und erneuerbare Energieträger. Energieversorgung und Mobilität sind nicht als Geschäft für Konzerne, sondern als öffentliche und politische Angelegenheit zu begreifen. Förderung von erneuerbarer Energie und öffentlichem Verkehr statt Atomindustrie, Autokonzerne und Straßenbau. Nachhaltige Produktion statt Ressourcenverschwendung ohne Ende.

Auch wenn wir noch nicht in allen Einzelheiten wissen, wie das gehen wird, so gibt es genügend Ansätze, uns auf den Weg zu machen. Jeder Radweg, jedes Windkraftwerk, jede Planung für eine Stadt der kurzen Wege, jede Förderung für energiesparendes Heizen sind Schritte in die richtige Richtung. Unser ökologischer Fußabdruck und unsere Wirtschaftsbeziehungen müssen wieder auf ein menschliches Maß gebracht werden: durch eine Entmachtung von Konzernen und Finanzinstituten, mit regionalen Wirtschafts- und Energiekreisläufen und einer transparenten, öffentlichen und am Gemeinwohl statt am Profit orientierten Diskussion über Risiken – von der Atomkraft bis zur Gentechnnik.

Die konsequente Veränderung unserer Form zu arbeiten, zu leben, zu produzieren – Schritt für Schritt – das ist eine realistische Zukunftsperspektive für Menschheit und Zivilisation. Weitermachen wie bisher ist es nicht.

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2 Antworten zu “Zukunft ist anders

  1. hallo silvia, fein dass du jetzt auch bloggst! lg andrea

  2. Der Krieg in Libyen hat im Wesentlichen einen Grund: Diejenigen Staaten, die bei der Vergabe der Ölförderung und Grundwassernutzung zu kurz gekommen sind (F, GB, USA vor allem), nutzten die Unzufriedenheit der Ost – Libyer mit der Zentrale in Tripolis für eine längst geplante militärische Einmischung. Wie bei vielen kolonialen Kriegen dieser Art (Afghanistan, Irak, Balkan) sind humanitäre Aspekte nur der Vorwand, die humanitäre Situatuion wird durch das militärische Eingreifen massiv verschlechtert anstatt verbessert.
    Ein kleiner Nebeneffekt des ölbedingten Reichtums Libyens war auch die Finanzierung eines Satelliten, durch den Afrikas Telefonverbindungen nicht mehr vom Westen und desssen überhöhten Preisen abhängig war.
    LG
    Georg

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