Voller Pläne und voller Liebe zum Leben. Ein Nachruf auf Dieter Schrage

Im heurigen Herbst werden die Grünen in Österreich 25 Jahre alt. Einer, der von Anfang an dabei war, wird bei diesem Jubiläum fehlen. Schmerzlich fehlen.
Wenn ich dieser Tage mit so vielen Grünen über Dieter Schrage spreche, dann fallen immer wieder zwei Sätze: „Irgendwie war der Dieter immer schon da.“ und „Unglaublich, was er alles gemacht hat in seinem Leben.“ Im Kulturbetrieb, als Lehrer und in der Politik hat Dieter auf vielfache Weise seine Spuren hinterlassen – allein innerhalb der Wiener Grünen als Vorstandsmitglied, als Bezirksrat in Neubau und Penzing und als Mitgründer der Initiative Grüner SeniorInnen.

Dieter Schrage kam aus der Alternativbewegung der 1970er-Jahre zu den Grünen. Es war ihm ein Herzensanliegen, dass dieses politische Ziel, an einer solidarischen und ökologischen Alternative für unsere Gesellschaft zu bauen, den Grünen mit der Parteiwerdung und dem Einzug in die Institutionen nicht abhanden komme. Als Mitglied des Parteivorstands, bei Landesversammlungen und in zahlreichen Arbeitsgruppen widersetzte er sich mit scharfer, manchmal polemischer Kritik den Ansätzen von Anpassung an den Mainstream der österreichischen Politik.

Er war einer der aktiven Grünen, die noch genau wissen, was mit dem Standbein und dem Spielbein Grüner Politik gemeint war. Und bis zum Schluss ließ er keinen Zweifel daran, dass das Standbein – nämlich Politik in der Gesellschaft, mit den Bewegungen und Initiativen zu machen – Priorität haben muss, wenn wir die herrschenden Verhältnisse wirklich verändern wollen.

Wenn er politisch etwas zu seinem Anliegen machte, dann mit unglaublichem Engagement und großer Hartnäckigkeit. Von der Arena-Besetzung über den Kampf für die Erhaltung der Steinhofgründe bis zur Mobilisierung zahlreicher Architekten aus dem In- und Ausland für die Erhaltung der Bausubstanz der Stadt des Kindes. Die sich Wehrenden, die Unangepassten, die Aufbegehrenden konnten immer mit seiner Unterstützung rechnen.

Vor wenigen Wochen noch stand Dieter für die Grüne „Atomausstieg-jetzt!“-Initiative an unseren Infoständen und motivierte PassantInnen per Mikrofon zur Unterschrift. Knapp zwei Tage vor seinem Tod forderte er noch vehement ein, dass Grüne Politik Gegenöffentlichkeit brauche und sich nicht auf den Mainstream der österreichischen Medienlandschaft verlassen könne. Und allein am Tag seines Todes warteten das Gründungsteam eines neu zu schaffenden Penzinger Kunst- und Kulturvereins und die Penzinger Verkehrskommission vergeblich auf ihn.

Nein, das ist nicht der Abschied von einem alten Mann. Das ist der Abschied von einem Unermüdlichen, von einem Menschen voller Pläne und voller Liebe zum Leben. Bis zum Schluss.

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