Unsere Chance: 03.-10. November

Vor 100 Jahren herrschten in Österreich die Habsburger. Briefe wurden von Hand geschrieben, die Straßenbahn wurde von Pferden gezogen und Schule fand in kasernenartigen Gebäuden, ständisch organisiert und im Stundentakt statt.

2011 feiern wir 93 Jahre Republik, wir kommunizieren per E-Mail und Mobiltelefon, U-Bahn und Straßenbahn fahren elektrisch – und Schule findet in kasernenartigen Gebäuden, ständisch organisiert und im Stundentakt statt.

Die Gäste der Grünen Bildungsbim haben gezeigt, dass es auch anders geht – zum Beispiel in der Lernwerkstatt Brigittenau oder in der Integrierten Gesamtschule in Göttingen.

Doch immer noch werden Krabbelstuben und Kindergärten insgeheim als zweitbeste Lösung gesehen – das wahre Glück der Kleinen läge ja doch in der ganztägigen Betreuung zu Hause. Die Ignoranz gegenüber dem Lernen von Kleinkindern spiegelt sich in Ausbildung und Bezahlung der KindergartenpädagogInnen wider.

Immer noch werden Kinder mit knapp 10 Jahren selektiert: vordergründig nach Lernfortschritt und Begabung, tatsächlich nach Einkommen und Bildungsgrad der Eltern. Dieses Relikt aus ständischen Zeiten sorgt dafür, dass unsere Kinder quer durch, von hochtalentiert bis weniger begabt, schlechter abschneiden als jene anderswo. Von wegen drohende Nivellierung nach unten: Wir sind ganz unten.

Immer noch wird Bildung über 18 hinaus als Luxus gesehen: Wir haben eine Akademikerquote, die einem entwickelten Land Hohn spricht, und Erwachsenenbildung gibt es primär als Maßnahme in der Arbeitslosigkeit. Und dass auch Gesellschaft lernen muss, dass wir dafür öffentliche Forschung und Diskurs brauchen, das hat sich noch nicht herumgesprochen.

Vielleicht tröstet es ja so manchen ÖVP-Politiker, dass es noch Stabilität gibt, dass sich manche Dinge eben nie ändern. Ich finde die Tatsache, dass wir Bildung heute noch annähernd so organisieren wie ehedem unter dem alten Kaiser ziemlich beunruhigend.

Wenn wir gemeinsam die Krisen des 21. Jahrhunderts bewältigen wollen, wenn das Neue Gestalt annehmen soll – eine neue Art der Energieversorgung, eine neue Organisation unserer Wirtschafts- und Finanzsysteme, eine neue Form von Demokratie in Europa – dann werden wir all unser Potenzial, die Kreativität und Innovationsfähigkeit aller in dieser Gesellschaft brauchen, um dieses Neue in die Welt zu bringen. Und das versemmeln wir gerade.

Höchste Zeit also, Bewegung in die Bildung zu bringen. Damit nicht nur unsere Kinder und Jugendlichen, sondern damit wir alle eine Chance auf Zukunft haben: Bildungsvolksbegehren 03.-10.11.2011 – Hingehen und Unterschreiben!!

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