Liebe Radfahrende Grün-FreundInnen!

Also: Wir Grüne geben uns grad redlich Mühe mit der Verkehrspolitik in dieser Stadt. Und das mit reichlich ambitionierten Zielen:

  1. so viel Verkehrsanteil wie möglich weg vom Auto (bis 2015 minus 30%!) und hin zu Öffis, Radfahren und Zufußgehen
  2. leistbare Mobilität für alle
  3. Einsparung von Wegen durch intelligente Stadtplanung

Das ist eine ziemliche Kraftanstrengung, gespickt mit viel Überzeugungsarbeit, nicht von heute auf morgen zu haben und nicht mit Einzelmaßnahmen zu erreichen.

Neben vielen, oft kaum wahrgenommenen Maßnahmen gelingt uns dann ein Riesenerfolg: Die Jahresnetzkarte in Wien wird substantiell billiger!! 365 Euro für jederzeit überall hin in dieser Stadt.
Das motiviert hoffentlich viele Menschen, die täglich mit dem Auto in die Arbeit fahren, zum strukturellen Umstieg (immerhin ist der Arbeitsverkehr inkl. PendlerInnen einer der größten Verkehrserreger). Und es macht Öffi-Fahren für all jene substantiell billiger, die darauf angewiesen sind. Also ein großer Schritt vorwärts im Sinn unserer ersten beiden Ziele.

„Aber wir, wir brave RadfahrerInnen, die nur ab und zu bei Schnee, Wind und Eis die Öffis nutzen, wir zahlen drauf!“ – so beschweren sich jetzt einige. Ja, liebe FreundInnen, Menschen mit unserem Mobilitätsverhalten haben aus dieser Tarifreform keinen unmittelbaren Nutzen. (Wobei – Hand aufs Herz – wirklichen Schaden auch nicht. Ich hab die Diskussion zum Anlass genommen, meinen Jahresbedarf aus 2011 mit den neuen Tarifen hochzurechnen: bei 5 Umweltkarten, 20 Einzelfahrscheinen und 8x Fahrradmitnahme (in Zukunft gratis) ergibt das Mehrkosten von knapp €22,– im Jahr.)

Wir RadfahrerInnen haben dafür Nutzen aus anderen Maßnahmen Grüner Verkehrspolitik: Ich zum Beispiel freu mich jedes Mal über den neuen Radstreifen in de Währinger Straße – ein fast täglicher Weg von mir – oder die Tatsache, dass sich beim Ringradweg das dauernde Seitenwechseln aufgehört hat. Die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung wird Platz für mehr Radwege und Radstreifen frei machen. Die Streichung der Gebrauchsabgabe für Fahrradabstellanlagen wird mehr Parkplätze für unsere Fahrräder bringen. Die massive Ausweitung der Tempo30-Zonen bedeutet mehr Sicherheit auch beim Radfahren. usw. usw.

Was soll ich denn einer Öffi-Nutzerin sagen, wenn sie sich beschwert, sie hätte nix von neuen Radwegen? Maßnahmen für Öffi-FahrerInnen bringen den Zufuß-Gehenden nicht unmittelbar etwas, Maßnahmen für den Radverkehr nicht den Öffi-Fahrenden. Aber insgesamt bringen all diese Maßnahmen uns allen etwas – denn: weniger Autos auf den Straßen heißt weniger Feinstaub, weniger Abgase, weniger Lärm, mehr Bewegungsfreiheit für FußgängerInnen und RadfahrerInnen, mehr Sicherheit für Kinder und alte Menschen.

Kurz gesagt: Ein bisschen mehr Verständnis für umfassende Grüne Verkehrspolitik wär‘ echt super!  🙂

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5 Antworten zu “Liebe Radfahrende Grün-FreundInnen!

  1. Fuer ein umfassendes Pendlerkonzept muessen -neben der Parkraumbewirtschaftung in Wien- auch die Tarife im Umland attraktiver werden, etwa in Form einer „öekologisierten kleinen Pendlerpauschale“.

    Moderne Zuege, gute Taktung auf den Hauptstrecken, moderne (Regional)Bahnhoefe mit beheizten Wartehaueschen, gratis P+R im Umland ist notwedig.

    Last not least sollten Radwege auch vom Stadtrand ins Zentrum fuehren, etwa aus den groszen Bezirken jenseits der Donau, hier bestuende groszes „Umstiegspotential“!

  2. Liebe Silvia,
    kann dir nur beipflichten. Seit 1. 1. 2012 lebe ich in Wien, ich bin aus Dornbirn umgesiedelt und ich kann nur sagen, dass ich die Öffist jetzt schon mit Jahreskarte nutze und das Rad dann im Frühling, wenn es wärmer wird. Im meinem Fall ergänzt das eine das andere.
    Mein Mann und ich zahlen die Karte gerne monatlich und freuen uns sehr über die kommende Vergünstigung. Ich kann nur sagen: Gut gemacht, Wiener Grüne!
    🙂

  3. Liebe Silvia!

    Mit Hand auf dem Herzen eine andere Sichtweise:

    Warum müssen Jene die sparsam sind, Andere die das nicht sind auch noch finanziell unterstützen?

    Wie Du weißt, ist für mich als Radfahrer jeder Tag ein autofreier Tag, und das ist mein Beitrag zu sauberer Luft, geringerer Geschwindigkeit, weniger Platzbedarf, Energie Sparen, sozialer Gerechtigkeit, globalem Denken, lokalem Handeln, …

    Du hast Recht, es ist für die einzelnen Sparsamen nur ein kleiner, aber ehrlicher Beitrag.

    Ungerecht ist, dass Jene auch finanziell bevorzugt werden, die mehr an Energie umwandeln. (Nicht „verbrauchen“, da Energie weder generiert noch verbraucht werden kann, sondern nur von einer Form in eine andere umgewandelt. Genau genommen gibt es daher nur erneuerbare Energie.)

    Warum wird der Massen-Konsum orientierte Grundsatz „ The more you buy – the cheaper you get it“ übernommen?

    Wie passt es zur Kritik, dass Abnehmer großer Mengen von Primärenergieträgern diese zu günstigeren Preisen erhalten als die Abnehmer kleiner Mengen?

    „… insgesamt bringen alle diese Maßnahmen uns Allen etwas …“ Allen?

    Zahlen sibirische Rentierhalter gerne „drauf“, indem sie mit ihren Tieren „bei Seite gehen“, damit das Erdgas an dieser Stelle gewonnen werden kann, um bei uns die kalorischen Kraftwerke und öffentliche Verkehrsmittel betreiben zu können?

    Sie haben sicher volles Verständnis dafür, dass einige bereit sind 2€ für den Energieeinsatz für 1.5 Stunden Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu zahlen, nicht aber für die Anderen die für den gleichen Preis so viel Energie umwandeln, dass sie dafür bis zu 48 Stunden fahren können.

    Ein bisschen mehr Verständnis für umfassende Grüne Verkehrspolitik ?

    Hier seien sibirische Rentierhalter als Beispiel genannt, bei anderen Gütern kann man ihnen entsprechend Andere aus zweiter oder dritter Welt nennen.

    Von Automobilisten wird der faire Preis für das Auto Fahren verlangt, warum nicht auch deren ehrlicher Beitrag bei Verwendung eines anderen Verkehrsmittels?

    Warum werden nicht generell Alle aufgefordert, bereit zu sein, den fairen Preis für Alles von ihnen Beanspruchte zu zahlen?

    Warum „ein bisschen mehr Verständnis“ von der Minderheit, und nicht von der Mehrheit erwarten?

    Wir sind ja auch bereit für ökologisch gewonnene Energieträger und für fair gehandelte Güter den angemessenen Preis zu zahlen! – Oder?

    Mit sonnigen Grüßen
    Bandi

    • Lieber Bandi,

      schön, auf diesem Weg von dir zu lesen 🙂
      sorry fürs erst jetzt antworten – ging bei dichtem Terminkalender letzte Woche nicht.

      und nun von mir – mit Hand auf dem Herzen – eine Herausforderung deiner Sichtweise. Irgendwie klingt das ja (öko)logisch, die Geschichte mit „keine Belohnung für Massenkonsum“ und „fairen Preis für alles von mir Beanspruchte“. Aber eben nur irgendwie.

      Erster Einwand: Nicht immer kann man sich aussuchen, was man braucht. Die billige Jahreskarte ist vor allem für jene eine Erleichterung, die ihren Arbeitsplatz nicht zu Fuß erreichen können. Das heißt, die sind nicht zu ihrem Vergnügen jeden (Arbeits-)tag unterwegs. Und nicht alle trauen sich oder sind körperlich in der Lage dazu, Rad zu fahren. Dass diese Menschen jeden Tag in der Früh in die U-Bahn steigen oder am Abend mit der Schnellbahn nach Hause fahren, das als Massenkonsum zu bezeichnen, mag zwar abstrakt zutreffend sein – als zu kritisierendes Phänomen unserer Konsumgesellschaft steht es für mich aber ziemlich weit unten auf der Liste. Und jedeR, der aufgrund der billigeren Jahreskarte vom Auto auf die Öffis umsteigt, ist ein Gewinn an nicht-verbrauchten Ressourcen.

      Zweiter Einwand: Der „faire“ Preis für alles Beanspruchte können wohl nicht in jedem Fall die „wahren“ Kosten sein. Ich – und so wie ich dich kenne – auch du wollen nicht, dass schwer oder chronisch Kranke die Kosten ihrer Behandlung selbst bezahlen müssen, oder dass Kinder (und damit ihre Eltern) die Kosten ihres Kindergartenplatzes oder ihrer Schule selbst tragen müssen. Was ein jeweils fairer Preis für das Beanspruchte ist, ist doch immer gesellschaftliche Übereinkunft.

      liebe Grüße
      Silvia

  4. Sehr geehrte Frau Nossek,
    ich habe nur wenig Verständnis dafür, dass ich in Zukunft für die wenigen Male, wo ich die Öffis nutze in Zukunft mehr bezahlen soll. Aber OK, das bringt mich nicht um und wenn der motorisierte Individualverkehr dafür reduziert wird, kann ich damit leben. Wenn mir als Ausgleichszuckerl mehr Radwege und Radstreifen angekündigt werden, werde ich allerdings wütend. Ich wünsche und brauche diese unterdimensionierten teilweise gefährlichen Anlagen nicht, die ein Fahrverbot auf der Fahrbahn implizieren und neue Konflikte bringen. Die meisten Wiener Straßen sind problemlos zu beradeln. Die Verschlimmbesserung des Ringradwegs mit der Neuanlage auf der Außenseite läßt da schlimmes für die Zukunft befürchten. Warum stimmen viele Grüne in den widerlegten Tenor „Radfahrer in der Stadt brauchen mehr Radwege“ mit ein, wenn sie angeblich fahrradfreundliche Politik machen? Dazu jetzt noch das Parkpickerl: In Zukunft werden Besucher von meinem Grätzl erst ins von hier schlecht angebundene P&R Parkhaus irren müssen (mehrmals Umsteigen oder langer Fußweg) und bei der Abreise wieder retour. Super, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist. Und ob die Kapazität der P&R -Anlagen nach der Einführung noch ausreichen ist auch nicht sicher.
    Das verursacht außerdem zusätzlichen Verkehr, Zeitverlust und Kosten. Die Wiener Autobesitzer werden dagegen mit einem Exklusivrecht auf Dauerverparkung des öffentlichen Raums belohnt und die Nutzung des PKWs in der Stadt attraktiviert. Nein, durch diese Politik fühle ich mich als Radfahrer nicht gut vertreten.
    Trotzdem freundliche Grüße
    Florian Meier

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