Dass die Unterschiede nicht so arg sind

Wenn ich an Margarete Gal denke, dann fällt mir als erstes das Wort „Kämpferin“ ein. So hab ich sie bei den Grünen schon vor über 20 Jahren kennen gelernt, und so wird sie mir in Erinnerung bleiben – zum Schluss schon auf einen Stock gestützt, und dennoch: eine aufrechte Kämpferin.

Von Anfang an musste sie kämpfen. Als nicht-getaufte Schülerin im katholischen Austrofaschismus, als 15jährige im NS-Umerziehungslager, als junge Mutter mit ihrer 3 Monate alten Tochter in Gestapo-Haft. Und von Anfang an war es ihr ein Anliegen zu kämpfen. Für die Unterdrückten, für die Jungen, für die, deren Leben auf dem Spiel steht. Und für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte gelebte Wirklichkeit sind.

Wann immer sie bei grünen Treffen das Wort ergriff, war es wie ein Anker, wie eine Erinnerung daran, was uns alle im Herzen antreibt, warum wir eigentlich Politik machen. Weder heroisch noch dogmatisch, sondern mit der Weisheit und der Bescheidenheit eines langen Lebens, in dem sie trotz vieler Ernüchterungen und Desillusionierungen nie den Kern ihres politischen Engagements aus den Augen verloren hat.

Wer Margarete gekannt hat, der weiß, dass Kampf und Gewaltfreiheit kein Widerspruch sind. „Frei denken, frei deine Meinung sagen, tolerant sein. Und die Disziplin haben, Mehrheitsentscheidungen anzuerkennen.“ – so formulierte sie ihr zutiefst demokratisches Verständnis. So sehr sie die grünen Anliegen einer ökologischen und solidarischen Zukunft teilte, so skeptisch war sie, ob diese innerhalb eines kapitalistischen Systems nicht Träumerei bleiben würden. Und war doch immer dabei, wenn es darum ging, grüner Politik Gehör zu verschaffen. Und war draußen, auf der Straße, auf Demos, als Zeitzeugin in Schulen, bei vielen Organisationen, deren Engagement für linke Politik und Menschenrechte sie unterstützte.

Ein Interview zu ihrer Lebensgeschichte beendete Margarete vor kurzem mit den Worten: „Ich wünsche der Zukunft ein richtiges demokratisches Land Österreich, ich wünsche, dass unsere Kinder halbwegs einen Job haben, und – es wird immer Reichere und Ärmere geben – aber dass die Unterschiede nicht so arg sind.“
Nun ist es unsere Aufgabe, für diese Zukunft zu kämpfen.

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Eine Antwort zu “Dass die Unterschiede nicht so arg sind

  1. ich hab die margarethe vor 32 jahren in der brücke druckerei kennengelernt. sie hat mich oft stundenlang, mit ihren geschichten, von der arbeit abgehalten. Sie war wahrlich eine bemerkenswerte frau mit einer bemerkenswerten geschichte.
    ich bin sehr traurig
    adi

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