Nicht das Auto ist unintelligent…

Auto altIch oute mich jetzt mal: Nein, ich bin keine Autofeindin. Und ich will auch die Menschheit nicht autolos machen. Genau so wenig, wie ich finde, dass wir Akkuschrauber, Satellitenantennen oder Computertomographen abschaffen sollten. Ich finde sogar, dass das Auto eine ziemlich intelligente Erfindung ist.

Als letztes Jahr Freunde im Waldviertel nahe der tschechischen Grenze geheiratet haben, sind wir mit dem Auto hingefahren. Nach einem kurzen Blick in die Öffi-Fahrpläne eindeutig die beste Variante. Es ist auch nachvollziehbar, dass für den Wochenendbesuch bei den Großeltern im Südburgenland Kinder und ihre Siebensachen per Blechkutsche dorthin verfrachtet werden. Und auch wenn es mittlerweile Experimentierfreudige gibt, die ihre Übersiedlung mit Lastenfahrrädern erledigen, halte ich einen Kastenwagen in diesem Fall für nicht übertrieben. Ganz zu schweigen von den Segnungen motorisierter Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Rettung.

Das Auto ist großartig – wir haben nur zu viele davon und wir fahren unnötig viel damit. Das ruiniert unsere Lebensqualität, besonders in der Stadt, und gleichzeitig macht es jene Unabhängigkeit und Schnelligkeit, die das Auto so nützlich machen, im Stau und bei der endlosen Parkplatzsuche zur Illusion.

Intelligente Autonutzung heißt: Autofahren nur dann, wenn es sinnvoll ist.NY Taxis
Nicht vom 18. Bezirk zum Konzert in die Innenstadt. Wo doch Konzerthaus und Musikverein bequem per Öffis zu erreichen sind. Nicht zum Einkauf in die Mariahilfer Straße – nur auf den Verdacht hin, man könnte etwas Größeres einkaufen. Als wäre für den Fall des Falles das Taxi noch nicht erfunden.
Nicht jeden Tag die Kinder chauffieren, wenn Schule und Kindergarten doch auch zu Fuß gut zu erreichen sind. Und nicht für jede Erledigung automatisch ins Auto steigen – wenn man schon so wohnt, dass das nächste Lebensmittelgeschäft, die nächste Apotheke und der nächste praktische Arzt in Zu-Fuß-Geh- oder Fahrraddistanz liegen.

Und intelligente Autonutzung heißt: Nutzen statt Besitzen. Dann brauchen wir nämlich weniger davon. Das durchschnittliche Wiener Auto tut derzeit 23 Stunden am Tag nichts anderes, als herumzustehen und Platz zu verstellen. In der Zeit könnten andere es nutzen. Carsharing ist mittlerweile professionell organisiert und jedes Carsharing-Auto ersetzt ungefähr acht Privatautos. Was für eine Geld- und Materialersparnis – und was für ein Platzgewinn!

Jeder unnötig gefahrene Auto-Kilometer und jedes unnötig herumstehende Auto bedeuten Abgase, Lärm und Platzverbrauch – und zwar für alle, nicht nur für die, die fahren. Jeder nicht gefahrene Autokilometer und jedes Auto weniger bedeuten Lebensqualität in der Stadt. Unsere Intelligenz ist gefragt.

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3 Antworten zu “Nicht das Auto ist unintelligent…

  1. Georg Deutscher

    Ich habe zwei kleine Kinder (ca 1/2 und ca 3 1/2 Jahre alt). Die meisten Wege erledige ich mit der kleinen im Tragetuch – das gesamte Zeug, dass man braucht, um mit Kindern ein paar Stunden unterwegs sein zu können, trage ich in einem Rucksack. An den Trageriemen des Rucksackes hängen immer Karabiner, dass ich, wenn ich unterwegs etwas einkaufe, die Sackerln dranhängen kann und immer noch die Hände frei habe – eine davon brauche ich für meine große Tochter. Die andere trägt am Heimweg oft Getränke-Sechserträger oder ein Sackerl mit Milchpackerln und Essiggurken, oder was auch immer so schwer ist, dass ich es nicht vom Rucksack baumeln lassen kann.
    Natürlich bin ich – so zu Fuß – auch schon beim Tischler gewesen und hab kleinere Fachböden hingebracht und abgeholt.
    Trotzdem finde ich es recht praktisch, dass ich einen großen Kombi (so einen, wie ihn Professor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik fuhr) fahren kann. Nachteilig ist nur, dass ich im 18. Bezirk keine Chance habe, das Auto wieder los zu werden. Mein Garagenplatz am Dornerplatz war, solange ich keine Kinder hatte, recht praktisch, seit mehr als drei Jahren ist er praktisch ungenutzt. Mit den Kindern gehe ich jeden Weg zumindest 15 Minuten, wenn mehr zu transportieren ist, müsste ich die Strecke mit den Kindern auch mehrmals gehen. Da fahre ich dann doch lieber eine Dreiviertelstunde im Kreis…
    Taxi mit Baby ist ausgeschlossen (außer ich schleppe zu allem noch den Maxi-Cosi mit) und die Kombination Baby und Kleinkind ist noch viel weniger machbar. Car-Sharing-Konzepte richten sich m. E. immer an gutsituierte Singles oder Paare – ich habe nicht das Gefühl, dass diese Konzepte besonders familienfreundlich sind.

    • Ihr Beispiel zeigt ja, dass im Verkehr intelligentes Vorgehen nicht nur eine Frage individuellen Verhaltens sind. Man kann nur dort mit Öffis fahren, wo es welche gibt. Man kann Carsharing mit Kindern nur nutzen, wenn Kindersitze bequem verfügbar sind. Und man kann nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen, wenn es funktionierende Nahversorgung gibt. Deshalb ist ja auch niemandem persönlich vorzuwerfen, dass er oder sie ein Auto hat und damit fährt – die Frage ist, ob wir uns darauf einigen können, dass wir gemeinsam weniger Autos haben und weniger damit fahren sollten. Und dann geht es darum, ernsthafte Schritte in diese Richtung zu machen, wie derzeit in Wien mit der billigen Jahreskarte, der Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung, den Verbesserungen der Öffis, den Maßnahmen für den Radverkehr. Und dann passiert es, dass zwischen 2010 und 2012 der Anteil des Autoverkehrs an den von WienerInnen zurückgelegten Wegen plötzlich von 31% auf 27% sinkt 🙂

  2. Und hier noch ein Video zum Suchtmittel Auto 😉

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