Öffi-Blockaden wären leicht zu beheben

Ich hab hier von der jahrelangen Blockade und dem Stillstand der Währinger Politik gesprochen – die wichtigste Motivation, warum ich Bezirksvorsteherin werden möchte.

Woran man Blockade und Stillstand merkt? Daran, dass die Menschen sich an Probleme gewöhnen. Ab und zu sich noch aufregen und dagegen aufbegehren, aber irgendwie gar nicht mehr dran glauben, dass sich da jemals etwas ändern wird. Auch wenn sie ganz einfach zu lösen wären.

foto00111Eines dieser Probleme: die regelmäßigen Fahrtbehinderungen unserer Straßenbahnen durch Falschparker. Im Jahr 2014 waren die drei Währinger Linien 40, 41 und 42 unter den sechs meist behinderten Straßenbahnlinien Wiens – über 220 Mal war eine Währinger Linie blockiert.

foto00081Man muss sich vor Augen halten, was das heißt: Durch die Blockade ist meist der Verkehr auf der kompletten Linie eingeschränkt – in Währing durch die Parallelführung von 40 und 41 häufig gleich für zwei Linien. Die Behebung der Störung dauert bis zu 40 Minuten. Schnell sind hunderte Fahrgäste betroffen, kommen zu spät zur Arbeit, in die Schule, auf die Uni, müssen entweder zu Fuß weiter oder entnervt warten, bis die Fahrt umgeleitet oder endlich fortgesetzt werden kann.

Und das im Schnitt an zwei von drei Tagen. Das geht jetzt in Währing seit Jahren so. Man sollte meinen, dass der Ärger groß und das Problem brisant genug sind, endlich etwas dagegen zu unternehmen. Vor allem, wenn es eine ziemlich einfache Lösung gibt:

Wenn man sich die Statistik 2014 genau anschaut, dann gibt es bei den Blockaden eindeutige Häufungspunkte. Sieben solcher Häufungspunkte in Kreuzgasse, Währinger Straße und Gentzgasse verursachten in Summe fast 70% der Fahrtbehinderungen. Spitzenreiter ist ein kurzes Straßenstück in der Kreuzgasse, das allein für 46 Blockaden verantwortlich ist.

Die einfache und rasch machbare Maßnahme liegt auf der Hand: die Parkplätze an diesen Blockade-Häufungspunkten wegnehmen. Halteverbot, breiterer Gehsteig oder Radabstellbügel – jedenfalls aber keine falsch parkenden SUVs mehr, die die Straßenbahn blockieren. Ein paar Parkplätze weniger und dafür 152 Mal für Hunderte Menschen Nerven und Zeit gespart.

Wir haben letzte Woche einen entsprechenden Antrag in der Bezirksvertretung gestellt. Die SPÖ meinte, wir würden populistisch agieren, Bezirksvorsteher Homole und seine ÖVP haben sich gleich gar nicht geäußert. ÖVP, SPÖ und FPÖ haben den Antrag abgelehnt.

Zeit für eine andere Prioritätensetzung in Währing: Pünktliche und schnelle Straßenbahnen sind wichtiger als Parkplätze. Und mit dem Parkpickerl können wir auf diese paar Parkplätze in Zukunft noch leichter verzichten. Gemeinsam schaffen wir das!

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10 Antworten zu “Öffi-Blockaden wären leicht zu beheben

  1. I bin ueberrascht, dass die SPOe gegen ein Parkverbot im betroffene Areal sind. Als eine Fahrerin die haeufig verspaetung erlebt haben wegen falsch verparkte SUVs, ich unterstuzte sehr deine Idee!

    lg, Alison Langley

  2. Nikolaus Stohl

    Wie wär`s damit (dauerhaft kostengünstiger und auch flexibler): Austausch der Bim gegen Busse, Intervallverdichtung um die Kapazitätsunterschiede auszugleichen. Als Ausgleich dafür fallen die Instandhaltungsarbeiten für Gleise und Stromleitungen weg wodurch Geld gespart wird und es zu weniger

    • Busse haben bei weitem nicht die Kapazität wie Straßenbahnen. Durch den Erfolg der 365-EURO-Jahreskarte fahren mittlerweile so viele Menschen öffentlich wie nie zuvor – d.h. wir müssen die Kapazitäten eher ausbauen als zurückfahren. Es ist halt eine Frage der Prioritäten, wofür der Platz in der Stadt verwendet wird: zum Abstellen von vielen, vielen Blechkisten, von denen wir viel weniger bräuchten (das durchschnittliche Wiener Auto steht 23 Stunden am Tag) oder zum Zu-Fuß-Gehen, im Schanigarten sitzen, Kinder spielen lassen, mit Freunden tratschen.

      • Nikolaus Stohl

        Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich muss leider sagen, dass Ihre Argumente nicht wirklich neu sind, die kenne ich schon von der ersten Parkpickerl-Kampagne. Ich verstehe den Ansatz, den MIV reduzieren zu wollen durchaus, sehe es genauso. Mein Kritikpunkt ist der Weg, der derzeit eingeschlagen wird. Es wird zu wenig für die Schaffung von Alternativen getan (Ausbau der Öffis zumindest ins Umland von NÖ) sondern mit Repressalien gearbeitet. Durch das Parkpickerl werden Pendler, die`s ohnehin schon schwer genug haben, noch extra schikaniert. Dass das Parkpickerl keine Probleme löst, sieht man auch in jenen Pickerl-Bezirken, in denen Anrainerparken gefordert wird bzw. bereits eingeführt wurde.

      • Wäre eh super, wenn man alles auf einmal machen könnte – dann bewegt sich häufig aber gar nichts. Ein Beispiel: NÖ hat sich jahrelang geweigert, mit Wien über neue Park&Ride-Garagen zu verhandeln (bei denen Wien mitgezahlt hätte) – Argument: Die stehen ja eh nur leer. Erst mit der Ausweitung des Parkpickerls und völlig überfüllten Pendlerparkplätzen in NÖ war über einen Ausbau zu reden – der jetzt auch zügig passiert. Ebenso war’s mit einer Verdichtung der S-Bahn-Intervalle. Verkehr ist komplex – und wie in den meisten komplexen Systemen geht’s meist nur so, dass man an manchen Ecken anfängt, die Dinge in Bewegung zu bringen – und dann die Chancen nutzt, die sich daraus an anderen Ecken ergeben.

      • Nikolaus Stohl

        Und nocheinmal „Danke“ für Ihre Antwort. Ihr Statement betreffend NÖ leuchtet ein, das werde ich mir noch aus der Nähe anschauen. Vielen Dank für die Unterhaltung.

        MfG

        Nikolaus Stohl

  3. Nikolaus Stohl

    ….Baustellen kommt. Im Übrigen: Das Parkpickerl wurde zweimal recht deutlich abgelehnt, das ist amtlich. An der Strassenbahn (so schön sie auch ist) festzuhalten ist dauerhaft zu kostenintensiv, vor allem da bekannt ist, dass die Wiener Öffis in den roten Zahlen sind (siehe Rechnungshof).

  4. Nikolaus Stohl

    Zuletzt möchte ich anmerken, dass ich es NICHT UNTERSTÜTZE, dass die Währinger Grünen mit ihrem Eintreten für das Parkpickerl versuchen, über eine Entscheidung, die von Währinger Bürgerinnen und Bürgern demokratisch getroffen wurde, drüberzufahren.

    • Es gibt in der Wiener Stadtverfassung kein Instrument, in dem die Bezirkspolitik Enscheidungen auf die BürgerInnen übertragen kann. Das kann man gut finden oder nicht – derzeit ist es so. BezirksvorsteherInnen können Befragungen durchführen. Sie können beliebig festlegen, wen sie befragen (z.B. bei der ersten Pickerl-Befragung in Währing bis zur Scheibenbergstraße, bei der zweiten ganz Währing), was sie fragen, etc. Ohne das mit der gewählten Bezirksvertretung oder sonst jemand abzustimmen. Um ein Stimmungsbarometer zu bekommen, ist das okay. Wenn es Entscheidungskraft hätte, bräuchte es aus gutem Grund ein paar Spielregeln. Und so bleibt aus unserer Sicht eher, dass Bezirksvorsteher Homole zwei im Alleingang festgesetzte Befragungen vorschiebt, um sich vor seiner Verantwortung für das Platzdesaster in Währing zu drücken.

      • Nikolaus Stohl

        Sehr geehrte Frau Nossek, nocheinmal danke für Ihre Antwort. Für mich bleibt trotzdem Fakt, dass es zweimal ein „Nein“ gegeben hat. In diesem Fall steht für mich das Verhalten der Grünen in einem schlechten Licht.

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