110.000 Euro für 25 Pendlerparkplätze

Wir Grüne sind zur Zeit viel in Gersthof unterwegs. Bei unseren Hausbesuchen und bei Gesprächen auf der Straße gibt es neben den Dauerbrennern Parkpickerl und Rennbahn Gersthofer Straße vor allem ein Thema: die neue Einbahn in der Schöffelgasse.

IMG_0854Wo die wohl plötzlich herkommt? Wozu das gut sein soll? Weil das verkehrstechnisch doch gar keinen Sinn macht?

Wenn wir dann erzählen, wie es zu dieser Einbahn zwischen Lidlgasse und Czartoryskigasse gekommen ist, dann bleiben meist nur Kopfschütteln und Ärger.

Also: Veranlasst hat das Ganze Bezirksvorsteher Homole. Weil die Anrainer sich Verkehrsberuhigung gewünscht hätten. Und bei einer Bürgerbefragung eine Mehrheit für diese Einbahnregelung verbunden mit neuen Schrägparkplätzen herausgekommen sei.

Wir wissen nicht, die ganze Bezirksvertretung weiß nicht, wen Homole befragt hat und welche Frage er gestellt hat. Wir wissen nur, wie viel der Spaß kostet: 110.000 Euro für ca. 25 zusätzliche Parkplätze. Also ca. 4400 Euro je neuem Parkplatz.

Und wir wissen, dass der Schildbürgerstreich Methode hat: Weil Währing dank Bezirksvorsteher Homole und seiner ÖVP immer noch kein Parkpickerl hat, ist nicht mehr nur Innerwähring völlig zugeparkt – mittlerweile sind auch große Teile von Gersthof ein einziger Gratisparkplatz für Pendler und Touristen. Damit ist auch Homole unter Zugzwang und muss Aktivität vorweisen.

Und was macht er? Er wiederholt jetzt in Gersthof das, was er in Innerwähring schon in den 1990ern gemacht hat: Er requiriert jeden verfügbaren Quadratmeter für das Abstellen von Autos und „schafft“ so Parkplätze. Da werden Grünstreifen zuasphaltiert – wie in der Schindlergasse und der Scheidlstraße – ohne Rücksicht, ob die dort stehenden Bäume das überleben. Und es werden Einbahnen verordnet, um Schrägparkplätze zu ermöglichen und so ein paar Autos mehr unterzubringen. Wie jetzt eben in der Schöffelgasse.

Gelöst ist damit gar nichts. Die zusätzlichen Parkplätze werden sofort von zusätzlichen Dauerparkern von außerhalb belegt. Und wenn man den Verkehr in Gersthof ernsthaft beruhigen wollte, würde es ein umfassenderes Konzept brauchen als ein willkürlich gesetztes Stück Einbahn (das erfahrungsgemäß eher zur Beschleunigung als zur Beruhigung des Verkehrs beiträgt).

Es wird Zeit, dass wir mit diesen Schildbürgerstreichen Schluss machen. Bevor der letzte Grünstreifen in Währing zubetoniert und noch mehr Geld für teure Scheinlösungen verpulvert ist. Währing braucht zukunftsfähige Verkehrslösungen, allen voran endlich das Parkpickerl. Gemeinsam schaffen wir das.

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10 Antworten zu “110.000 Euro für 25 Pendlerparkplätze

  1. Jeder Schrägparkplatz kostet nicht nur Geld sondern schafft Unsicherheit und verschmälert den Gehsteig.

  2. Weil heute die Sonne scheint und ich Zeit hatte, habe ich 5 Häuserblocks bei der Station der Straßenbahnlinie 40, Alsegger Straße (Herbeckstraße) umrundet und dabei die Autos gezählt. Von 235 gezählten KFZ hatten 54 kein Wiener Kennzeichen! Das sind 23% Nicht-Wiener bzw. – wie ich schon früher geschätzt hatte – fast jedes 4-te KFZ.

    Unberücksichtigt bei dieser Zählung blieben jene PKWs mit Wiener Kennzeichen, welche im Fall der Parkraumbewirtschaftung („Parkpickerl“) in diesem Gebiet auch nicht stehen würden, und damit den Prozentsatz an PKW von hier nicht Wohnenden weiter erhöhen.

    • Genau. Wir haben schon 2010 eine Zählung für das ganze Gebiet zwischen Gürtel und Martinstraße gemacht: Hier waren sogar fast ein Drittel PKWs mit Nicht-Wiener Kennzeichen. Und mehr Parkplätze heißt unter diesen Rahmenbedingungen (= ohne Parkpickerl) nur, dass mehr Autos herumstehen und Platz verstellen.

  3. Arne Hoffmann

    Neben der obigen deutlichen Nicht-Wiener-feindlichen Aussagen bleibt hier nur noch zu kommentieren, das wir in der heutigen Zeit nicht nur zusammen in der gleichen Stadt leben, sondern auch arbeiten. Und gerade diese Arbeit möchte doch der gemütliche Wiener doch nur ungern selbst erledigen.

    Noch eine Frage zum Thema: In welchem Zusammenhang stehen die „Nicht-Wiener“-Fahrzeuge mit einem Vernünftigen Parkraumbewirtschaftungskonzept oder der Einführung des Parkpickerls?
    Würde das nicht für alle KFZ gelten oder soll es ihrer Meinung nach demnächst Schilder geben mit der Aufschrift nur für Wiener? Sehr Gastfreundlich das ganze… besonders für die Nicht-Wiener Verwandte und Freunde, die schließlich auch (fast) jeder hat!

    • Ja, Sie haben Recht: Prinzipiell gilt das Wiener Parkraumbewirtschaftungskonzept für alle KFZ. Eine bestimmte Zone wird zur Kurzparkzone – das heißt, Privatautos können nicht mehr unbegrenzt auf öffentlichem Grund abgestellt werden. Davon gibt es dann definierte Ausnahmen – zum Beispiel für Personen, die vor Ort hauptgemeldet sind, oder für Personen, die vor Ort arbeiten und denen eine Anreise anders als mit dem eigenen PKW nicht zumutbar ist.

      Ansonsten bemesse ich persönlich die Gastfreundlichkeit von Städten daran, ob ich in Lokalen freundlich bewirtet werde, ob die Menschen mich unterstützen, wenn ich mich mit den Öffis nicht auskenne, und ob ich mit meinen dortigen FreundInnen gemütlich durch die Stadt flanieren kann. Wenn eine Stadt auf diese Art gastfreundlich zu mir ist, bin ich ihr überhaupt nicht böse, wenn sie das zu meinem Auto nicht ist und mit allen Mitteln versucht, mich dazu zu bringen, ohne Auto zu kommen. Weil das nicht nur die Lebensqualität der Menschen dort hebt, sondern in der Regel auch meine als Gast 🙂

  4. Oh Wunder!!
    Ebenso unerwartet wie die Einbahnregelung eingeführt wurde ist sie nun wieder verschwunden. Hatte mich schon total daran gewöhnt, dass die Schöffelgasse Einbahn ist und die Fahrt zur Lidlgasse nicht mehr möglich ist. Seltsam war nur, dass die (hier) angekündigte Schrägparkzone nicht umgesetzt wurde und alles beim Alten blieb.
    War also sehr verwundert, als vor wenigen Tagen einige Autos bei der Czartoryskigasse eingebogen und „gegen die Einbahn“ gefahren sind … Jedoch: die Einbahnregelung ist weg, die aufgestellten Schilder sind verschwunden.
    -) Was hat dazu geführt?
    -) Wie viel hat der „Test“ gekostet?
    -) Wer wird das bezahlen … ? (ist ein alter Liedtext)

    • Wir Grüne haben in der letzten Bezirksvertretungssitzung am 7.5. den Antrag gestellt, das verunglückte Einbahnexperiment zu beenden und ein Gesamtkonzept zur Verkehrsberuhigung von Gersthof zu erarbeiten. Der Antrag wurde nicht abgestimmt, sondern der Verkehrskommission zugewiesen. Diese wurde bis heute vom ÖVP-Vorsitz nicht einberufen – in der Zwischenzeit ist der 3-monatige Probebetrieb zu Ende gegangen und offensichtlich haben Magistrat und Bezirksvorsteher Homole auch den Schluss gezogen, dass man die Sache besser bleiben lässt. Was der Probebetrieb gekostet hat, werden wir erst im Rechnungsabschluss wissen – zahlen tut’s der Bezirk und damit wir alle… Aber dank Wiener Linien gab’s diesen Probebetrieb wenigstens – sonst wäre der Schildbürgerstreich gleich um teures Geld umgesetzt worden.

  5. „Währing braucht zukunftsfähige Verkehrslösungen, allen voran endlich das Parkpickerl.“
    Höchstens Teile des Bezirks, denn ich sehe nicht ein weiso Bewohner des Schafberges für etwas zahlen müssten was es im Überfluss gibt.

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