Cottagegasse 6: Wie Desinteresse Lebensqualität gefährdet

Die Widmungsänderung für das Grundstück Cottagegasse 6 wurde kürzlich vom Gemeinderat beschlossen: Aufzonung auf Bauklasse III, Verkleinerung der Grünfläche und Aufhebung des Unterbauungsverbots. Nach der breiten Zustimmung der Währinger Bezirksvertretung – nur wir Grüne hatten dagegen gestimmt –, war nicht viel anderes möglich.
Kleiner Erfolg: Dank mehrerer Hundert AnrainerInnen-Einsprüche und grüner Hartnäckigkeit wurde durchgängig 1,5 m Aufschüttung auf die zukünftige Tiefgarage vorgeschrieben. Immerhin. Damit besteht die Chance, dass dort nach dem Bau ersatzgepflanzte Bäume irgendwann wieder richtige Baumgröße erlangen.

Insgesamt ist die Geschichte rund um das Grundstück Cottagegasse 6 allerdings ein Lehrstück, wie desinteressierte und ambitionslose Bezirkspolitik die Lebensqualität in einem ganzen Grätzl gefährdet.

Cottagegasse 6 013Das begann im Jahr 2010, als in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die acht wunderschönen Kastanienbäume im Gastgarten direkt an der Straße allesamt gefällt wurden. Damit waren nicht nur der wunderschöne Gastgarten und das dortige Restaurant Geschichte, sondern auch wertvolles Grün mitten im dichtverbauten Gebiet. Bezirksvorsteher Homole, über dessen Schreibtisch die Baumbescheide gingen, sah keinen Grund, die Rodung zu hinterfragen bzw. auf Immobilieninteressen hin abzuklopfen.

Viele WähringerInnen waren empört über die offensichtliche Immobilienspekulation. Vielleicht war das ja der Grund, warum 2013 völlig überraschend ein 4-Parteien-Antrag zustande kam, in dem sich die gesamte Bezirksvertretung für den uneingeschränkten Erhalt der Grünfläche aussprach. Wir freuten uns, und wir wunderten uns. Nicht lange.

Ein Jahr später war eh wieder alles anders: Ein neuer Bauwerber präsentierte eine gefällige Projektskizze – und ohne jede Not forderten ÖVP, SPÖ und FPÖ von der zuständigen Behörde alle von ihm benötigten Widmungsänderungen ein. Ohne irgendeine Auseinandersetzung mit dem Bauprojekt, ohne jede Auflage: keine, um zukünftigen Baumbestand sicherzustellen, keine, um die Belichtung des Hofs am Nachbargrundstück zu gewährleisten, nichts. Mit Müh und Not konnten wir unsere KollegInnen im Bauausschuss dazu bringen, die Mindestaufschüttung über der künftigen Garage zu fordern; Diskussionen über weiter gehende Auflagen wurden vom VP-Vorsitzenden schlicht abgewürgt.

Vor allem die Aufhebung des Unterbauungsverbots schmerzt. Gibt es doch im dichtverbauten Gebiet nicht mehr viele Stellen, wo Bäume ungehindert wurzeln und Regenwasser ungehindert abfließen kann. Und ja, natürlich kann man – wie die drei Parteien mit Bezirksvorsteher Homole an der Spitze –die einfache Logik akzeptieren: Neue Wohnbauten haben eine Stellplatzverpflichtung, daher muss Garage gebaut werden, die braucht das ganze Grundstück und daher muss unterbaut werden.

Man hätte aber auch das Gespräch mit dem Bauwerber suchen können. Um innovative Lösungen ins Spiel zu bringen – zum Beispiel die Konzeption des Projekts als erstes autofreies Wohnhaus in Währing (analog den Autofreien Siedlungen in anderen Bezirken). Oder zumindest zu schauen, wie eine kleinere Garage ausschauen könnte – und dann mit der Behörde über eine Reduktion der Stellplatzverpflichtung zu verhandeln. Oder eben zumindest mit der Behörde diskutieren können über Auflagen für Baumbestand und Belichtung.

Alles nicht passiert. Währing braucht frische Energie und neue Ideen. Gemeinsam schaffen wir das!

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4 Antworten zu “Cottagegasse 6: Wie Desinteresse Lebensqualität gefährdet

  1. also ehrlich, die Cottagegasse als dichtverbautes Gebiet zu bezeichnen, das ist schon etwas mutig. Fragens da mal jemand aus dem achten …
    (auch wenn ich zugebe, dass auf dem bezeichneten Grundstück vieles nicht gut gelaufen ist).

    • Cottagegasse ist nicht gleich Cottagegasse. Stimmt schon, dass sie Richtung 19. zu den grünsten Teilen Wiens gehört. Genau in dem Block von der Gentzgasse zur Hofstattgasse, in dem sich das Grundstück befindet, entspricht die Verbauung aber der üblichen Gründerzeitstruktur – wie auch im Kreuzgassenviertel oder im achten. Unterschied zugegebener Maßen: das nächste Grün ist in der Cottagegasse näher als in anderen Ecken Wiens.

  2. christian spiegelfeld

    Die Angelegenheit ist ein Beispiel dafür, wie Bezirkspolitik Menschen für blöd verkauft. Wer immer die acht wunderschönen Kastanienbäume einfach umschneiden ließ bzw. die behördliche Genehmigung dafür gab – er (sie) hat zum Beispiel den Kindern in der Umgebung ein tolles Signal gegeben. Bäume? Weg damit! Gratulation! Was war der Lohn der Bezirksparteien für diese Umwidmung? Darf man wenigstens erfahren, ob der Bezirk als ganzes Vorteile aus diesen dreisten Machenschaften zieht. Wenn ja, welche?
    Unterste Schublade war die „Information“, die die Bezirksleitung in dieser Sachen postalisch an die Haushalte verteilt hat. Diesen Deal auch noch als Beispiel für transparente Politik zu verkaufen ist einfach nur frech. So zu tun, als träfe die Umwidmung einen ganzen Bezirksteil – dabei geht es nur um dieses Grundstück – mies, kann ich nur sagen!

    • Nein, der Bezirk als Ganzes zieht keine Vorteile aus der Widmung. Um solche zu erreichen, hätte „der Bezirk“ – also allen voran Bezirksvorsteher Homole und seine ÖVP – mit dem Bauträger verhandeln müssen, anstatt einfach seine Widmungswünsche zu erfüllen – ist aber, wie geschrieben, nicht passiert.

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