Über mich

Es war der Beginn der 1990er Jahre, die Grünen hatten gerade zum zweiten Mal den Einzug ins Parlament geschafft und das Bewusstsein über drohende Ölknappheit, Umweltverschmutzung und Waldsterben schlug sich langsam auch in der Berichterstattung des Mainstream nieder. Ich hatte täglich eine lange Straßenbahnfahrt an meinen Arbeitsplatz, das Zeitung-Lesen gehörte zu dieser Fahrt dazu. Ich las über die Herausforderungen, die anstanden, über die Zähigkeit und Untätigkeit der Politik, ärgerte mich gemeinsam mit meinen Kollegen im Büro – und dann war da irgendwann diese Frage am Ende eines Artikels: Was werden wir unseren Kindern sagen, wenn sie später fragen, was wir denn gemacht hätten – damals, als es noch Zeit war, etwas zu unternehmen?

Eine Zeitung der Währinger Grünen in meinem Postkasten lieferte den längst fälligen Anknüpfungspunkt. Ein Jahr später war ich Grüne Klubobfrau im 18. Bezirk und bin seither in unterschiedlichsten Feldern und Funktionen grünpolitisch aktiv. Und nun trete ich an, 2015 erste grüne Bezirksvorsteherin in Währing zu werden.

Was mich treibt? In einem Gespräch über aktuelle Krisen fiel vor kurzem die Bemerkung: „Die Menschheit hat schon viele Krisen überstanden – sogar den Zweiten Weltkrieg. Irgendwie werden auch Klimawandel und Finanzkrisen vorbeigehen.“ ?!?! Es geht doch nicht nur darum, dass wir Krisen überstehen – sondern auch, wie wir sie überstehen! Menschenwürdig, ohne gewalttätige Verwerfungen, und als Ziel den wichtigsten Anspruch einer humanitären Gesellschaft vor Augen: ein gutes Leben für alle.

Politik beginnt dort, wo wir Bestehendes nicht mehr hinnehmen wollen. Das heißt, den Interessen hinter diesem Bestehenden auf die Spur zu kommen, sich für die Zusammenhänge unserer Gesellschaft, von Politik und Wirtschaft, von Kultur und Geschichte zu interessieren. Und das heißt, sich gegen diese Interessen, sich für das Neue, für das Andere zu engagieren.

Politik ist meine Leidenschaft, Organisationsentwicklung mein Beruf. Ohne gemeinsames Lernen, ohne Bewusstseinsbildung und ohne Organisierung werden wir die bestehenden Verhältnisse nicht verändern. Deswegen bin ich politisch tätig, und deswegen bin ich in einer Partei politisch tätig. Partei ergreifen und Partei bilden – im doppelten Wortsinn – da treffen sich Leidenschaft und Beruf.

„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“ (Max Weber)
Dieses Spannungsfeld aus Leidenschaft und Augenmaß, angesichts der Dringlichkeit von Klimawandel, von ungerechter Verteilung und Finanzkrisen die Geduld für die möglichen kleinen Schritte zu haben – das ist Herausforderung und tägliche Übung.

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